Sichere Schulwege in Sigmaringen – Ergebnisse der Elternbefragung 2024
Die Mobilitätsgruppe des Vereins FairWandel SIG setzt sich für eine sichere, nachhaltige und lebenswerte Mobilität in unserer Stadt ein. Ein besonderes Anliegen ist uns dabei, dass Kinder ihren Schulweg sicher, selbstständig und umweltfreundlich zurücklegen können – gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit.
Um herauszufinden, wie Eltern die aktuelle Situation einschätzen und welche Wünsche sie für den Schulweg ihrer Kinder haben, haben wir im Winter 2024/25 eine Umfrage an drei Schulen durchgeführt: der Bilharz-Schule, der Geschwister-Scholl-Schule und der Laizer Grundschule. Insgesamt nahmen 244 Eltern an der Befragung teil.
Wie kommen Kinder aktuell zur Schule?
Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Bild: Bei allen Schulen wird das Auto häufig genutzt – auch wenn andere Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. An der Bilharz-Schule werden die meisten Kinder mit dem Auto gebracht, gefolgt von Fußgängern und Busfahrern. Das Fahrrad spielt kaum eine Rolle, ebenso wie Fahrgemeinschaften. Ähnlich zeigt sich das Bild an der Geschwister-Scholl-Schule: Etwa 40 % der Kinder laufen, dicht gefolgt vom Auto (rund ein Drittel), 15–20 % fahren Bus. Fahrrad und Fahrgemeinschaft liegen bei wenigen %-Punkten. In Laiz laufen ebenfalls rund 40 % der Kinder, etwa ein Drittel kommt mit dem Auto, und knapp 20 % nutzen den Bus.
Warum werden die jeweiligen Verkehrsmittel genutzt?
Bei den Gründen für die heutige Wahl zeigt sich ein typisches Muster:
Auto:
Vor allem, weil es praktisch (rund 40 %) und schnell (rund 25 %) ist. Sicherheit spielt mit 10–15 % ebenfalls eine Rolle. Umweltschutz oder finanzielle Gründe werden kaum genannt.
Zu Fuß:
Hier überwiegen gesundheitliche Gründe (über 50 %), gefolgt von „praktisch“ (etwa ein Viertel) und „schnell“.
Bus:
Wird vor allem als praktisch (40–50 %) und sicher (10–20 %) eingeschätzt. In Laiz wurde zudem häufig der lange Schulweg genannt, während an der Bilharz-Schule auch die Förderung der *Selbstständigkeit* eine Rolle spielte.
Fahrrad:
Wird als gesund (40 %) und schnell (ca. ein Drittel) wahrgenommen – also durchaus positiv, aber die Nutzung bleibt niedrig. Die noch nicht geleistete Fahrradprüfung wird oft genannt.
Bilharz-Schule:
9 Personen von 53 beschreiben ausdrücklich als Problem, dass Sie den Schulweg als unsicher oder gefährlich beschreiben. 2 Personen haben es sogar als „Elterntaxi-Phänomen“ benannt: Der Schulweg würde gefährlich und die Kinder wären beinahe angefahren worden – da andere Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brächten und vor der Schule so unsichere Situationen auftreten. Zwei Personen benannten auch den fehlenden Gehweg an der Krauchenwieser Straße als Gefahrenstelle.
Laizer Grundschule:
auch hier beschreiben 9 Personen von 87 den Weg als unsicher aufgrund von verschiedenen Gründen (wie z.B. fehlender Ampel oder Traktoren auf dem Weg).
Geschwister-Scholl-Schule:
11 Personen von 104 beschreiben den Schulweg als unsicher, weitere Personen benennen fehlenden Fahrradweg und Angst vor der Unterführung als Hemmnisse für andere Verkehrsmittel-Wahl.
- Viele Teilnehmer/innen beschreiben insbesondere den Schulweg als unsicher bei weitem der wichtigste Grund / Hindernis für Umstieg auf andere Verkehrsmittel wie zu Fuß / Fahrrad fahren.
Was wünschen sich Eltern für den Schulweg ihrer Kinder?
Spannend ist, dass das Auto als gewünschtes Verkehrsmittel überhaupt nicht genannt wurde! In allen drei Schulen wünschen sich Eltern stattdessen, dass ihre Kinder zu Fuß, mit Laufgemeinschaften, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus zur Schule kommen.
An der Geschwister-Scholl-Schule und in Laiz stehen „zu Fuß gehen“ klar an erster Stelle, gefolgt von Fahrrad und Bus.
An der Bilharz-Schule wünschen sich die meisten Eltern, dass ihr Kind künftig mit dem Bus kommt. Deutlich weniger wünschen sich das Fahrrad oder den Fußweg.
Das Fazit lautet also: Wir fahren Auto – aber wir wollen es eigentlich nicht.
Was lernen wir daraus?
Viele Eltern wünschen sich sichere Alternativen zum Auto – besonders für kurze Wege. Das zeigt, dass Maßnahmen wie sichere Übergänge, bessere Rad- und Gehwege oder begleitete Laufbusse („Walking Bus“) gut ankommen könnten. Auch eine klare Kommunikation, dass Kinder eigenständig und sicher unterwegs sein dürfen, wäre hilfreich.
Wir von der Mobilitätsgruppe FairWandel SIG werden die Ergebnisse mit Stadtverwaltung, Schulen und Elternvertretungen teilen und uns weiterhin dafür einsetzen, dass unsere Kinder in Sigmaringen sicher und selbstständig unterwegs sein können.
Kontakt
Wenn Sie sich einbringen mögen, nehmen Sie gerne Kontakt auf:
kontakt@fairwandel-sig.de
oder besuchen Sie unseren Nachhaltigkeitsstammtisch.Nächste Termine um 19 Uhr im Alten Schlachthof: 20.01.2026, 17.03.2026
„was-wäre-wenn-gedachtes Impulsbild“
Mobilität im Landkreis Sigmaringen
Gruppe nimmt den Verkehr in der Stadt unter die Lupe
Der Fokus der von FairWandel angestoßenen Initiative liegt auf ÖPNV, Radverkehr und Schulwegsicherheit Menschen, die sich für den öffentlichen Nahverkehr in Sigmaringen und den Ortsteilen sowie den Radverkehr im Stadtgebiet interessieren oder sich für die Idee eines Carsharing-Angebots begeistern können, sind eingeladen, sich der vom Verein FairWandel SIG initiierten Mobilitätsgruppe anzuschließen. Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 5. Juni, um 19 Uhr im Alten Schlachthof in Sigmaringen statt. Wie soll der Verkehr in der Stadt in Zukunft aussehen? Wer nicht nur auf E-Mobilität setzen möchte und anerkennt, dass das Auto auch im ländlichen Raum einmal eine weniger wichtige Rolle spielen wird, muss sich mit dem sinnvollen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, On-Demand-Angeboten, Car-Sharing und durchgehenden und sicheren Radwegen für alle Altersgruppen beschäftigen. „Während in Nachbarstädten wie etwa Mengen in Mobilitäts- und Radwegekonzepte investiert wird und auch die Absicht besteht, diese umzusetzen, wird in Sigmaringen durch das abgelehnte Mobilitätskonzept stückhaft verbessert ohne eine weiterführende Sicht auf eine zukunftsfähige Mobilität für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV-Nutzer und Autofahrer“, ergab die Diskussion in der Gruppe. „Deshalb möchten wir mit unserer Mobilitätsgruppe eine Plattform schaffen, auf der man sich über genau diese Themen austauschen kann, und die Ideen und Forderungen auch in die Öffentlichkeit trägt.“ Dabei legen die Mitglieder der Gruppe Wert auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Bei einem Treffen Mitte Mai definierten die Anwesenden als Ziele ihres Engagements unter anderem, die Umsetzung des kürzlich beschlossenen Nahverkehrsplans im Blick zu behalten. Vor allem die Einführung von On-Demand-Angebote für Busse seien für die Anbindung der Ortsteile wie etwa Gutenstein von wesentlicher Bedeutung. Außerdem möchte die Gruppe gern eine Bestandsaufnahme machen, wie es um die Radverkehrswege im Stadtgebiet bestellt ist und dabei Gefahrenstellen dokumentieren und Ausbaubedarf definieren. Ein Fokus soll auch auf die Schulwegsicherheit gelegt werden. Wo kann nachgebessert werden, wo ist vor lauter Elterntaxis kein Durchkommen? Hier kann sich die Gruppe auch gezielte Aktionen zur Sensibilisierung der Autofahrer vorstellen. |
Rückblick
Vortrag: Die neue Fahrradkultur am Beispiel der Niederlande
Umweltfreundliche Mobilität mit dem Rad: Umparken im Kopf erforderlich
Bei seinem Vortrag am 26. April 2024 ´ Die neue Fahrradkultur am Beispiel der Niederlande ´ machte Referent Thomas Gotthardt vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Göppingen am Beispiel unseres Nachbarlandes deutlich, mit welchen Maßnahmen wir die Situation für Radfahrende auch hierzulande erheblich verbessern können. Ein Umparken im Kopf Richtung umwelt-freundliche Mobilität sei notwendig.
Zunächst ging Herr Gotthardt auf die Motivation von Fahrradfahrenden ein. Während in Deutschland häufig Umweltfreundlichkeit, gesundheitliche und preisliche Aspekte als Hauptgründe genannt würden, gäben Radfahrer in dänischen und niederländischen Städten an, Radfahren sei schneller, einfacher und bequemer. Eine Typologie der Radfahrenden besage, dass nur ca.6 % aus Begeisterung und Überzeugung zum Rad griffen, ca. 60 % seien interessiert, aber besorgt, für 33 % käme Radfahren auf keinen Fall in Frage. Es gelte, die 60% für eine regelmäßige Radnutzung zu gewinnen. Aufgabe sei es, eine der jeweiligen Stadt angepasste Vision für einen Radverkehrsanteil von bis zu 60% zu entwickeln. Vision auch deshalb, weil Städte wie Amsterdam in den 1970er Jahren noch im Autoverkehr erstickt seien, aber heute dieses Ziel weitgehend erreicht hätten. Ein guter Gradmesser sei die Zahl der Radabstellplätze an Bahnhöfen. 2019 habe es am Hauptbahnhof Amsterdam ca. 25000 Radabstellplätze gegeben, am Stuttgarter Hauptbahnhof ca. 100.
Eine moderne Mobilitätsplanung kümmere sich zuerst um Wege für den Fußverkehr, dann den Radverkehr und zuletzt für den Autoverkehr. Ideal seien getrennte Bereiche zur Erhöhung der Sicherheit. Radwege seien rot einzufärben und dürften nicht direkt an parkenden Autos vorbeiführen. Hier bestehe Gefahr beim plötzlichen Öffnen von Türen ( Dooring ). Besondere Aufmerksamkeit müsse Kreuzungsbereichen gewidmet werden. Kreisverkehre seien 5x sicherer als Kreuzungen, Bordsteinkannten seien abzusenken.
Ein heißes Eisen griff der Referent beim Thema Parken in Innenstädten auf. Er vertrat die Ansicht, dass der Handel die Bedeutung von Parkplätzen oft überschätze. Er gestand ein, dass Onlinehandel und Verbraucherparks auf der grünen Wiese Einzelhändlern Probleme bereiteten. Mit Hinblick auf das heutige Shoppen, das oft auch Freunde treffen, Kaffee trinken und Essen gehen impliziere, müssten der Einzelhandel und Innenstädte an ihrer Attraktivität und Aufenthaltsqualität arbeiten. Die Nutzung des Stadtraums als Parkplatz sei ein fundamentales Missverständnis.
Eine Arbeitsgruppe bei FairWandel Sigmaringen möchte Schritte zur Fahrradstadt Sigmaringen voranbringen.
Gerhard Stumpp, BUND Sigmaringen
Das Kirchturmdenken in Sachen Schienenverkehr aufgeben
Bahninteressierte diskutieren am 26.10. 2024 in Gutenstein über die Möglichkeit neuer Bahnhalte
Rund 30 Interessierte sind in der vergangenen Woche der Einladung des Sigmaringer Vereins FairWandel SIG und dem Ortschaftsrat Gutenstein gefolgt, und sind in den Bürgersaal nach Gutenstein gekommen, um sich über das Thema Schienenverkehr auszutauschen.
Die Veranstaltung war auf Initiative von Nils Vollprecht aus der FairWandel-Mobilitätsgruppe, die sich mit verschiedenen Aspekten der Mobilitätswende in Sigmaringen und im Kreisgebiet befasst, organisiert worden. Deren Mitglieder hatten sich bei ihrem Nachhaltigkeits-Stammtisch gefragt, wie realistisch die Wiedereröffnung stillgelegter Bahnhalte entlang von vorhandenen Strecken sind, unter welchen Bedingungen sie sich umsetzen ließen und welchen Einfluss lokale Gremien darauf haben könnten.
Referent Ralf Derwing, Co-Präsident der Initiative Bodensee-S-Bahn, nahm dafür beispielhaft die Perspektive des Sigmaringer Ortsteils Gutenstein ein. Generell seien vorhandene Schienen die Grundvoraussetzungen, eine Ortschaft wieder ans Bahnnetz anzuschließen. Neuverlegungen seien aus Kostengründen einfach utopisch. Gleichzeitig sei aber auch die vorhandene Eingleisigkeit der Strecken ein Problem. Solange Züge an verschiedenen Punkten immer wieder auf Gegenzüge warten müssten, würden auch kleine Zeitersparnisse, die durch technische Modernisierungen auf der Strecke herausgeschwitzt würden, schnell wieder verpuffen.
Derwing empfahl, zunächst über realistisch umsetzbare Möglichkeiten nachzudenken. Es gebe zum Beispiel die Regionalbahn 43a die in Gutenstein halten könnte oder die Regionalbahn 68, die täglich einen längeren Aufenthalt in Sigmaringen habe. Diese Ruhezeit könnte vielleicht für eine Fahrt nach Gutenstein und zurück genutzt werden. Denkbar wäre auch ein Freizeitbetrieb, wie er bis 2021 mit dem Naturpark-Express im Donautal stattgefunden habe. Räuber- und Biberbahn seien erfolgreich in den Sommermonaten an den Wochenenden unterwegs.
Der Experte ließ dabei aber auch nicht unter den Tisch fallen, dass bei solchen Projekten viel Engagement und noch mehr Geduld gefragt sind. Dies konnte der anwesende Bürgermeister aus Scheer, Lothar Fischer, bestätigen. Er setzt sich seit Beginn seiner ersten Amtszeit für einen Bahnhalt in Scheer ein und berichtete von zähen Gesprächen und vielen bürokratischen Hürden.
Nach Einschätzung Derwings ist die Schienenpolitik des Landes BW eher zurückhaltend, wenn die kommunale Ebene sich nicht aktiv und finanziell engagiert.
Bei der lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass es wenig sinnvoll ist, wenn die Einwohner und Verantwortlichen jeder Ortschaft für sich nach einer Lösung suchen. Vielmehr müsse eine übergeordnete Perspektive eingenommen werden, um gemeinsam die besten Möglichkeiten für den Kreis und darüberhinaus zu finden.
Daran möchte die Mobilitätsgruppe gern weiter anknüpfen.
Interessierte können sich gerne melden unter kontakt@fairwandel-sig.de
